Im Revier der weißen Gams

So oft schon vorbeigefahren, mit sehnsüchtigem Blick auf den mächtigen Berg, der wir ein Diamant im Abendlicht erstrahlt während im Tal bereits die Nacht übernimmt.

Man müsste den Herbst abwarten.

Erster Schneefall wäre nicht schlecht, dann hätte man auch Wasser dort oben.

 

Keine drei Monate später liege ich Anfang Dezember in der steilen Westwand in meinem Schlafsack.

Nach und nach zeigen sich die ersten Sterne.

Gegen Abrollen habe ich mir eine Steinreihe gelegt und beobachte ein kleines Rudel Gämsen, das etwa 200 Höhenmeter unter mir den Hang quert.

 

Eine weiße ist auch dabei.

Im gleichen Moment wundere ich mich, dass das schöne Tier noch nicht geschossen wurde.

Wäre doch eine feine Trophäe für jeden Jäger.

Das Schießen einer weißen Gams ist aber unter Jägern verpönt.

Der Legende nach stürbe man innerhalb eines Jahres.

Pech für die Jäger, Glück für das herrliche Tier.

 

Inzwischen ist es Nacht.

Der Föhnwind hat sich gelegt.

Ich kann die Augen nicht schließen und beobachte, wie sich die Sternbilder über das Firmament drehen.